Krypto-Hacks 2026: Milliardenverluste bei Ethereum und Solana
Autor: Rechtsanwalt Dr. Marc Maisch / Headerbild: KI-generiert
Krypto-Hacker haben im ersten Halbjahr 2026 mit Angriffen auf Ethereum und Solana einen Rekordschaden von mehr als einer Milliarde US-Dollar verursacht.
Cyberkriminalität in der Krypto-Branche erreicht damit ein neues Rekordniveau. Als Fachanwalt für IT-Recht, Datenschutz und Cybercrime sowie als Datenschutzbeauftragter beobachtet Rechtsanwalt Dr. Marc Maisch diese Entwicklung genau. Denn hinter jedem Hack stehen reale rechtliche Fragen für Anleger und Unternehmen.
Rekordschäden im ersten Halbjahr 2026
Cyberkriminelle stehlen im ersten Halbjahr 2026 weltweit mehr als eine Milliarde US-Dollar aus Krypto-Projekten. Das zeigt ein aktueller Sicherheitsbericht der Plattform Blockaid. Die Analysten zählen 212 Sicherheitsvorfälle. Das ist der höchste Wert, den Blockaid jemals für die ersten sechs Monate eines Jahres gemessen hat. Die Zahlen belegen: Krypto-Kriminalität ist kein Randphänomen mehr, sondern ein strukturelles Problem der Branche.
Was waren die Hauptangriffsziele?
Zwei Blockchains stechen besonders hervor. Auf Ethereum entfallen Verluste von rund 332 Millionen US-Dollar. Auf Solana entfallen Verluste von rund 326 Millionen US-Dollar. Beide Netzwerke liegen damit weit vor allen anderen Blockchains.
Bei Ethereum nutzen Angreifer vor allem Schwachstellen in Smart Contracts aus. Zu den größten betroffenen Projekten zählen Humanity Protocol und StablR. Ein Praxisbeispiel: Ein fehlerhaft programmierter Smart Contract erlaubt es Angreifern, Funktionen aufzurufen, die eigentlich gesperrt sein sollten. So gelangen sie an fremdes Vermögen, ohne eine einzige Zugangssperre zu umgehen.
Bei Solana liegt die Ursache woanders. Mehr als 98 Prozent der Verluste gehen auf kompromittierte private Schlüssel und Lücken in der Signaturinfrastruktur zurück. Betroffen sind unter anderem Drift Protocol und Step Finance. Ein gestohlener privater Schlüssel reicht aus, um eine komplette Wallet leerzuräumen.
Der größte Einzelangriff des Halbjahres trifft KelpDAO. Der Schaden beläuft sich auf rund 292 Millionen US-Dollar. KelpDAO verzeichnet damit 3,4-mal so viele Angriffe wie im gesamten Jahr 2025.
Auch andere Netzwerke bleiben nicht verschont. Die BNB Smart Chain verzeichnet Verluste von rund 185 Millionen US-Dollar. Base verzeichnet Verluste von rund 137 Millionen US-Dollar. Arbitrum verzeichnet Verluste von rund 130 Millionen US-Dollar.
Warum stehen gerade Ethereum und Solana im Visier?
Ethereum verwaltet sehr viel Kapital in DeFi-Anwendungen. Je mehr Vermögen ein Netzwerk verwaltet, desto attraktiver wird es für Angreifer. Viele Smart Contracts enthalten zudem Programmierfehler oder unzureichend geprüfte Schnittstellen. Diese Lücken bleiben oft lange unentdeckt, bis Hacker sie ausnutzen.
Solana punktet mit hoher Geschwindigkeit und niedrigen Transaktionskosten. Genau diese Popularität macht die Infrastruktur rund um Schlüsselverwaltung und Signaturen zu einem lohnenden Ziel. Wer die Kontrolle über einen privaten Schlüssel erlangt, benötigt keine weitere technische Raffinesse mehr.
Was sind die rechtlichen Folgen für Anleger und Unternehmer?
Ein Krypto-Hack ist niemals nur ein technisches Problem. Er wirft immer auch rechtliche Fragen auf.
Privatanleger, die Coins durch einen Hack verlieren, können unter Umständen Ansprüche gegen die betroffene Börse oder den Wallet-Anbieter geltend machen. Das gilt insbesondere dann, wenn der Anbieter erkennbar unzureichende Sicherheitsvorkehrungen getroffen hat. Zusätzlich sollten Betroffene den Vorfall bei der Polizei anzeigen, etwa über die Online-Wache des jeweiligen Bundeslandes.
Für Unternehmen, die Kryptowerte verwalten oder Krypto-Dienstleistungen anbieten, gelten strengere Pflichten. Sind bei einem Hack personenbezogene Daten betroffen, etwa Kundendaten aus der Identitätsprüfung, greift die Meldepflicht nach der Datenschutz-Grundverordnung. Das Unternehmen muss den Vorfall in der Regel innerhalb von 72 Stunden der zuständigen Aufsichtsbehörde melden. Zusätzlich verlangt die BaFin von regulierten Anbietern angemessene IT-Sicherheitsvorkehrungen.
Wie können Sie sich vor Krypto-Betrug schützen?
Wer Kryptowerte hält, kann das eigene Risiko deutlich senken. Eine Hardware-Wallet schützt größere Summen besser als eine reine Online-Wallet. Die Seed-Phrase gehört niemals in eine Cloud, ein E-Mail-Postfach oder eine Notiz-App. Vor einer Investition lohnt sich ein Blick darauf, ob der zugrunde liegende Smart Contract von unabhängigen Auditoren geprüft wurde. Ungewöhnliche Transaktionsanfragen oder Nachrichten, die zur Eingabe von Zugangsdaten auffordern, sollten immer kritisch hinterfragt werden. Und wer eine Handelsplattform nutzt, sollte prüfen, ob diese über eine Zulassung der BaFin verfügt.
FAQ
Welche Blockchains waren 2026 am stärksten von Hackerangriffen betroffen?
Ethereum und Solana waren im ersten Halbjahr 2026 die am stärksten betroffenen Blockchains. Auf Ethereum entfielen Verluste von rund 332 Millionen US-Dollar, auf Solana rund 326 Millionen US-Dollar. Bei Ethereum nutzten Angreifer vor allem Schwachstellen in Smart Contracts aus. Bei Solana waren gestohlene private Schlüssel die Hauptursache. Auch BNB Smart Chain, Base und Arbitrum verzeichneten hohe Schäden.
Was sollte man nach einem Krypto-Hack als Erstes tun?
Betroffene sollten den Vorfall sofort bei der Polizei anzeigen, am einfachsten über die Online-Wache des zuständigen Bundeslandes. Zusätzlich lohnt sich die Prüfung, ob Ansprüche gegen die Börse oder den Wallet-Anbieter bestehen, etwa wegen mangelhafter Sicherheitsvorkehrungen. Wichtig ist außerdem, alle Transaktionsdaten und Kommunikation zu sichern, um sie später als Beweismittel nutzen zu können.
Muss ein Unternehmen einen Krypto-Hack der Datenschutzbehörde melden?
Ja, wenn bei dem Hack personenbezogene Daten betroffen sind, etwa Kundendaten aus der Identitätsprüfung. Die Datenschutz-Grundverordnung verpflichtet Unternehmen dann zu einer Meldung an die zuständige Aufsichtsbehörde innerhalb von 72 Stunden nach Bekanntwerden. Wird die Frist versäumt, drohen zusätzliche Bußgelder. Ein Datenschutzbeauftragter unterstützt bei der fristgerechten und vollständigen Meldung.
Haftet eine Krypto-Börse für gestohlene Coins?
Eine Haftung kommt in Betracht, wenn die Börse ihre vertraglichen oder gesetzlichen Sorgfaltspflichten verletzt hat, etwa durch unzureichende IT-Sicherheit. Pauschal haftet eine Börse aber nicht für jeden Hack. Entscheidend ist immer der Einzelfall, insbesondere die vertraglichen Vereinbarungen und die Frage, ob der Anbieter dem Stand der Technik entsprechende Sicherheitsmaßnahmen getroffen hat.
Wie erkenne ich unseriöse Krypto-Plattformen?
Unseriöse Plattformen locken häufig mit unrealistisch hohen Renditeversprechen und Zeitdruck. Ein wichtiges Warnsignal ist das Fehlen einer BaFin-Zulassung für Finanzdienstleistungen in Deutschland. Auch fehlende oder unklare Impressumsangaben, keine nachvollziehbare Unternehmensadresse und aggressive Kontaktaufnahme per Telefon oder Messenger deuten auf Betrug hin. Im Zweifel lohnt sich vor einer Einzahlung ein Blick in die Warnlisten der BaFin.
Haben Sie Fragen zu Krypto-Hacks oder Cybercrime?
Sie sind selbst von einem Krypto-Hack betroffen oder möchten Ihr Unternehmen rechtlich gegen Cyberangriffe und Datenschutzverstöße absichern? Dr. Marc Maisch berät Sie zu Haftungsfragen, Meldepflichten und dem richtigen Vorgehen nach einem Sicherheitsvorfall. Melden Sie sich gerne über die Website von Maisch.law Rechtsanwälte.



